Denn den Warenfetischcharakter, vergegenständlicht durch Cover, Artwork, Jewel Case etc., kann schließlich keine digitale Kopie nivellieren. Und nur gebrannte CDs im Schrank stehen zu haben macht eben auch nicht gerade viel her, wenn sich Besuch der Herzensdame oder des Herzbuben ankündigt. Im Gegenteil. Noch schöner als CDs sind die schicken alten Schallplatten. Seit geraumer Zeit sind diese
wieder, wenn auch in übersichtlicher Auswahl in verschiedenen Mediamärkten (sic!) zu erwerben. Da macht es fast nichts, die Vinyls nicht zu verschleißen. Man macht den dazugehörigen MP3-Ordner an und schaut sich eben die Hülle an. Ist ohnehin praktischer. Das Karnickel Musikmedium schlägt in seiner Talfahrt seltsame anachronistische Haken. Im ersten Schritt wäre die Kopie also ein wahrhaft kommunistisches Element, wie Ausgabe 100 der Musikzeitschrift de:bug bestätigt: „Unter digitalen Bedingungen muss man nicht mehr teilen. Man kopiert einfach.“ Das kapitalistische Re-Entry von Angebot und Nachfrage besorgt dann das Bedürfnis, bestimmte Dinge einfach zu „haben“ und/oder privateigentümlich besitzen zu wollen. Dass dieses langfristig immer weniger und seltener die Produkte sein werden, die nach alten Regeln des Star Systems produziert, beworben und vertrieben werden, stört nur diejenigen, die noch nach diesen alten Regeln spielen wollen. Die Arctic Monkeys interessiert das wohl herzlich wenig. Andere Bands werden folgen. Und die Autoren von No Copy, die ihr Buch am 6. April einen Tag lang kostenlos als PDF unter www.no-copy.org anbieten, tun dieses auch nicht aus reiner Benevolenz, sondern weil sie die Marketing-Logik aus Verfügbarkeit gleich (digitale) Kopie gleich Aufmerksamkeit gleich (harte) Kopie verstanden haben.